Über mir der weite Himmel
von Kimberley Brubaker Bradley
Themen
Freundschaft – Alleinsein – Selbständigkeit – Selbstsein – Spannung – Abenteuer – Emanzipation – Zusammenhalt – Sinnorientierung – Krieg – Hoffnung
Inhalt:
Ada ist endlich frei – doch der Krieg lässt kaum Raum zum Durchatmen. Sie engagiert sich in der Abwehr der deutschen Luftangriffe, kümmert sich um ein einquartiertes jüdisches deutsches Mädchen und hilft ihrer Freundin Maggy über den Tod des geliebten Bruders hinweg. Bei alldem muss Ada herausfinden, wer sie wirklich ist und wofür sie kämpfen will.
Angaben zum Buch:
Titel: Über mir der weite Himmel
Autorin: Kimberley Brubaker Bradley
Übersetzung: Beate Schäfer
Verlag: dtv (2025) / engl. 2017
ISBN: 978-3-423-62833-4
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Kommentar:
Eine bloße Inhaltsangabe kann diesem vielschichtigen Roman nicht gerecht werden. Tatsächlich erzählt diese Geschichte auf vielen Ebenen, doch absolut stimmig ineinander verflochten mit unzähligen zutiefst emotionalen Erfahrungen, die nicht nur die Akteure des Geschehens erschüttern. Es ist Krieg, Bomben fallen und töten. Die Gefallenen werden so überzeugend als liebenswerte, feine Menschen beschrieben, dass wir LeserInnen mittrauern und ihren Tod mit Verzweiflung ob des Wahnsinns von der Notwendigkeit, sich verteidigen zu müssen gegen das Hitler-Deutschland. Sicher sind auch die Piloten in den deutschen Flugzeugen gute Familienväter, Männer, die zuhause geliebt werden, aber sie sind eben diejenigen, die angreifen.
Hauptfigur des Romans ist wieder, wie schon im ersten Band „Das Gras unter meinen Füssen“, das Mädchen Ada. Sie ist zwölf Jahre alt und mit ihrem verkrüppelten Fuß ohne den Hauch von Selbstbewusstsein, von einer Mutter erzogen worden, die den Makel, ein behindertes Kind zu haben, nicht verwinden konnte. Sie war eine böse Mutter, die ihr Kind versteckte und ihm so die Möglichkeit nahm, die Welt zu entdecken. Nicht einmal über Sprache konnte Ada am Leben teilnehmen, sie kannte nur das eine Zimmer mit seinen wenigen Gegenständen, weder Natur, noch andere Menschen, noch eine eigene Entwicklung. Doch der Krieg wird für sie zur Rettung. Ein neues Zuhause, das alte geht kaputt, Menschen, die ihr helfen wollen, und eine Operation, die es ihr ermöglicht zu gehen. Und es gibt ein Pony, das sie reiten darf. Reiten geht noch immer besser als Laufen, und sie findet Freunde. Nur, so ganz frei ist sie zunächst nicht. Die Vergangenheit klebt an ihr, wie ein Fluch, und es braucht viel Geduld und den Erwerb von Sprache und Kommunikationsfähigkeit, bis sie Vertrauen erleben kann. Es ist ein mühsamer Prozess für Ada und eine spannende Geschichte ist es für LeserInnen. So vieles ist neu für sie, daran, wie langwierig die Entwicklung eines Kindes ist, das aus einem inneren und äußeren Gefängnis Freiheit erleben darf. Auch Erwachsene können hier immer wieder staunen und ihre Kinder darin begleiten, mit Verständnis auf diejenigen zu achten, die nicht das Glück einer sicheren Kindheit erleben konnten. Es gibt diese Kinder auch heute, mehr als wir uns wünschen. Und es ist das Wissen, wie sich Verzweiflung äußert, um helfen zu können. Dieses Buch ist dabei überaus hilfreich und ein wunderschönes Leseabenteuer ist es außerdem.
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