Gras unter meinen Füßen

von Kimberly Brubaker Bradley

Themen

Angst –  Verzweiflung  –  Einsamkeit  –  Behinderung  –  Ausgestoßensein  –  Hass  –  Vertrauen  –  Freunbdschaft  –  Ausweg  –  Lebensmut

Inhalt:

Ada hat die Wohnung noch nie verlassen. Ihre Mutter hat sie weggesperrt und behauptet, Ada sei geistig behindert. Als ihr Bruder aus London evakuiert wird, um der Bombardierung zu entkommen, entschließt Ada sich, mitzugehen. Es beginnt ein Abenteuer für die Kinder wie auch für Susan Smith, die die beiden bei sich aufnimmt. Werden sie gemeinsam die Kriegszeit überstehen? Oder werden die Geschwister wieder in die grausamen Hände ihrer Mutter fallen?

Angaben zum Buch:

Titel: Gras unter meinen Füßen
Autor: Kimberly Brubaker Bradley
Übersetzung: Beate Schäfer
Verlag: dtv (2024) (USA 2015)
ISBN: 978-3-423-64114-2   
Verlagsseite zum Buch ➚

Kommentar:

Dieses Buch ist der „Triumph eines Mädchens im Kampf ums Überleben“ heißt es im Werbetext dieses Buches, und es ist wirklich ein Triumph, wenn auch in vielen kleinen Schritten. Ada, die Heldin dieses spannenden Abenteuers, musste die ersten 11 Jahre ihres Lebens buchstäblich in einem Gefängnis verbringen. Die Mutter hatte verhindert, dass sie jemals die eigene ärmliche Wohnung hätte verlassen können, weil sie dieses Kind als Strafe Gottes verstand, denn Ada war mit einem Klumpfuß geboren, und dieses Zeichen galt damals für abergläubische Menschen als Teufelszeichen.

Wäre da nicht Jamie gewesen, der kleine Bruder, der Sonnenschein in Adas traurigem Leben, sie wäre vermutlich einsam zugrunde gegangen. Aber manchmal kann sogar Krieg ein Glücksfall sein. Im England von 1940 wurden die Londoner Kinder aufs Land evakuiert, um sie vor der zu erwartenden  Naziinvasion zu schützen. Ada gelingt es, mit Jamie aus ihrer Welt zu fliehen, in die Chance zu leben.

 

Kaum kann sich ein lesendes Kind von heute vorstellen, was das für Ada bedeutet. Jamie seinerseits gewinnt schnell die Herzen der Menschen, mit denen er nun auskommen muss. Aber Ada, dieses Mädchen, das nichts, aber auch fast gar nichts von der Welt weiß, diese Ada muss nun vor allem mit ihrem inneren Feind kämpfen, der verhindern will, dass sie sich verrät mit dem, wofür sie sich schämt. Es sind die Scham und die Angst vor dem Hass der Mutter, der die Seele Adas schon fast zerstört hat. Aber da ist Susan, die Frau, die selbst mit der Trauer um den Tod ihrer liebsten Freundin kämpft, die deshalb versteht; denn sie weiß, was Einsamkeit ist. Diese Frau begreift, dass Ada Vertrauen braucht. Und genau das ihr zu schenken, ist unendlich schwer, eben weil Ada einfach kein Vertrauen kennt. Immer wieder kommt es zu Rückschlägen. Und wären da nicht auch noch Jamie, dieser wunderbare kleine Kerl, was kleine Brüder ja sein können, aber auch der Krieg, der langsam immer näher kommt und die Menschen zwingt, sich solidarisch zu verhalten um zu überleben, wer weiß, was aus Ada geworden wäre.

So aber können die Leser Zeugen davon werden, wie es gelingen kann, tiefste Traumata zu überwinden. Nicht die Angst vor dem Tod, nicht der Ekel vor der hässlichen Welt haben Adas Leben behindert. Es war die Einsamkeit des Nichtgeliebtseins, die Verachtung der Mutter, die zur Verzweiflung wurde. Erst die Erfahrung, dass sie geliebt wird von einer neuen Mutter, ist die Rettung.

Hier für Leanders Lieblinge vorgestellt und empfohlen von Gabriele Hoffmann, LeseLeben e.V. – Über  www.leseleben.de  findet ihr viele weitere Buchempfehlungen (mit Kurzvideos) und Seminar-Angebote.

Folgende Bücher waren für andere auch interessant: