Sieben Tage Mo
von Oliver Scherz
Themen
Einfühlungsvermögen – Geschwister – Verantwortung – Eigensinn – Geistige Behinderung – Vorurteile – Familie – Abenteuer
Inhalt
Mo ist Mo. Unberechenbar und unaufhaltsam. Er macht, was er will, und sagt, was ihm in den Kopf kommt. Mit ihm kann man Verrücktes erleben. Und manchmal wäre Karl gern so wie er, so sorglos, so ungehemmt. Oft aber nervt es ihn auch, sich um seinen Bruder kümmern zu müssen, der eine geistige Behinderung hat. Ständig ist er für ihn verantwortlich, gefühlte sieben Tage die Woche. Am liebsten möchte Karl sich freimachen von allem, einfach mit dem Rad durch die Gegend fahren. Oder Nida treffen, die er immer interessanter findet. Um sie zu sehen, lässt er Mo für ein paar Stunden allein. Als er nach Hause zurückkehrt, ist sein Bruder verschwunden …
Angaben zum Buch:
Titel: Sieben Tage Mo
Autor: Oliver Scherz
Bilder: Philip Waechter
Verlag: Thienemann 2023
ISBN: 978-3-522-18648-3
Verlagsseite zum Buch ➚
Kommentar:
Wer wissen will, was es heißt zu lieben, kann das mit der Lektüre dieses Buches erfahren. Lieben, das begreift man mit dieser Geschichte, ist das Gegenteil von Geliebt-Werden-Wollen.
Zuallererst bedeutet Lieben, die geliebte Person mit ihren spezifischen Bedürfnissen ganz genau zu beobachten, sie zu kennen, und zu wissen, was sie braucht, um zu leben und glücklich zu sein. Das kann allerdings oft mit den eigenen Wünschen kollidieren. Das muss Karl, der Zwillingsbruder von Mo, täglich erfahren. Denn Mo ist geistig behindert: Mo versteht überhaupt nicht, wie das Leben funktioniert, er tut einfach, wonach ihm gerade ist. Und es ist Karls Verantwortung dafür zu sorgen, dass ihm nichts Schlimmes passiert. Natürlich gibt es auch Eltern. Auch sie lieben Mo und sie wollen, dass er zuhause leben kann. Dafür verzichten sie auf viel eigenes Leben, sie arbeiten viel, zu viel, um das Geld für die Gemeinsamkeit der Familie zu ermöglichen. Gemeinsamkeit heißt deshalb vor allem, dass gerade der Zwillingsbruder Karl mit Mo alleine zusammen ist und ihm ein Leben mit Freude ermöglichen soll.
Für Karl ist das nicht immer einfach. Manchmal andererseits schon, denn Mos verrückte Ideen sind auch für Karl durchaus witzig. Leider vergisst er dabei zu oft, an sich selbst zu denken. Vor allem kann er sich gar nicht vorstellen, dass seine Klassenkameraden möglicherweise gar keine Vorurteile seinem Bruder gegenüber haben. Für ihn ist das Zusammensein mit Mo oft unerträglich anstrengend. Für seine Fußballkumpel aber ist Mo ein Clown, mit dem es Spaß macht zu kicken, jedenfalls ab und zu. Und dann gibt es noch das reizvolle rothaarige Mädchen Nida. Und zum ersten Mal vergisst Karl seine Pflicht, er lässt seinen Bruder allein zuhause, ganz kurz nur, aber dann dauert es doch länger, und danach ist Mo verschwunden. Für Karl bricht die Welt zusammen. Jetzt weiß er, wie sehr er Mo beschützen will, weil er ihn liebt. Und weil er ihn liebt, wächst er über sich hinaus. Nichts kann ihn halten, Mo darf nichts passieren! Die Suche nach Mo ist superspannend erzählt. Und Erlösung erfahren auch die Leser, wenn Karl in seiner Verzweiflung endlich begreift, dass er auch Freunde hat, die ihm helfen.
Oliver Scherz kann große Gefühle hautnah nachvollziehbar beschreiben, in aller Ernsthaftigkeit und trotzdem immer mit einem Schuss Humor. Einfach, weil er seine Figuren liebt. Und deshalb sind sie eigentlich auch nicht Figuren, sie sind sehr lebendige Menschen, und es ist außerordentlich bereichernd, sie kennen zu lernen.
Hier für Leanders Lieblinge vorgestellt und empfohlen von Gabriele Hoffmann, LeseLeben e.V. – Über www.leseleben.de findet ihr viele weitere Buchempfehlungen (mit Kurzvideos) und Seminar-Angebote.